PM: Dakar 2010 - Etappe 11 |  |
Der Tag von BMW bei der Dakar
Die Dakar hat sich nach sieben Etappen von Chile verabschiedet und kehrt mit einer unerbittlichen Zielgeraden nach Argentinien zurück. In der Kategorie Motorräder bereitete ein Navigationsfehler der wunderschönen Serie von Marc Coma ein jähes Ende. Den Sieg holte sich der Niederländer Frans Verhoeven, der BMW damit einen unerwarteten Sieg bei dieser Rallye schenkt. Cyril Despres behält die Führung in der Gesamtwertung.
Guerlain Chicherit, ebenfalls im BMW, aber mit vier Rädern, knüpfte mit einem Sieg an seine alten Erfolge vor vier Jahren an. Derweil ging der erbitterte Zweikampf zwischen Sainz und Al Attiyah weiter. Der Spanier hat nur noch 4’28 Vorsprung auf seinen Verfolger.
Nach dem Aufbruch im Morgengrauen und der Überquerung der Anden über den Paso Libertadores in der schwindelerregenden Höhe von 3500 m erwartete die Motorradfahrer bei der Dakar eine ähnliche Wertungsprüfung wie am Vortag, d.h. eine schnelle Piste auf kurvigen, überwiegend abschüssigen Wegen. Bei diesen Ausgangsvoraussetzungen durfte Marc Coma, der als Erster startete, auf einen weiteren Sieg hoffen. Ein schwerer Navigationsfehler machte jedoch jede Hoffnung schnell zunichte. Der Katalane entschied sich bei km 13, geradeaus zu fahren, während er nach rechts hätte fahren müssen. Das Ergebnis waren 3 km Fahrt in die falsche Richtung und das Gleiche zurück, um zur richtigen Strecke zurückzukehren, was ihm bei CP1 (km 51) gut 10 Minuten Rückstand auf die einbrachte, die es richtig machten. Seinen direkten Verfolgern unterlief der gleiche Fehler, sie konnten aber Schadensbegrenzung betreiben, nachdem sie den Spanier umkehren sahen.
Der Amerikaner Jonah Street, der als Neunter startete und sich bisher eher bedeckt hielt (keine Platzierung unter den TOP 5 einer Wertungsprüfung) machte nicht den gleichen ‚Navifehler’. So konnte er bei CP1 die beste Zwischenzeit abliefern, aber nur mit 7 Sekunden Vorsprung auf den unermüdlichen Frans Verhoeven mit seiner BMW, der seine Rallye entschieden besser beendet, als er sie angefangen hat. Das Fernduell setzte sich bis auf die Ziellinie fort. Schließlich war es Verhoeven, der mit drei kleinen Sekunden Vorsprung die Nase vorn hatte. Der Niederländer holt sich seinen dritten Etappensieg bei der Dakar nach seinen Erfolgen in Puerto Madryn und Copiapó im Vorjahr. Ein Sieg, der den Verdruss des BWM-Piloten auf den ersten beiden Etappen fast vergessen macht. Nur für die Statistik: Der letzte Sieg einer BMW bei der Dakar reicht bis 2001 zurück, als sich ein gewisser Cyril Despres in Tambacounda durchsetzte.
Pal Anders Ullevalseter war im Kampf um einen Platz auf dem Siegerpodest der zweite Gewinner des heutigen Tages. Der Norweger ging mit der viertschnellsten Zeit nach Alain Duclos über die Ziellinie und stärkt seinen zweiten Platz in der Gesamtwertung. Er hat jetzt 2’40 Vorsprung auf Lopez und mehr als 10’ auf Rodrigues, dem zahlreiche Navigationsfehler unterliefen. Marc Coma kam schließlich mit über 5’ Abstand auf den Sieger ins Ziel. Der Gesamtwertungsführende Cyril Despres verteidigte seine Position einmal mehr. Der Franzose und seine KTM führen mit 1h20 Vorsprung auf Ullevalseter.
In der Kategorie Auto ging das spannende Duell um den Gesamtsieg zwischen Carlos Sainz und Nasser Al Attiyah in eine neue Runde. Hier galt es, vor atemberaubender Kulisse schnell und dabei gleichzeitig vorsichtig zu fahren. Nach Sainz’ Sieg am Vortag hatten sich die Voraussetzungen ein wenig geändert. Der Spanier musste diesmal als Erster auf die Piste und sein Katarer Rivale folgte drei Autos später. Als gewiefter Rallyemann behauptete „El Matador“ bei CP1 einen Vorsprung von 13’’ auf seinen Teamkollegen. Die Piloten von BMW, die sich wenig um diesen Zweikampf scherten, tobten sich derweil auf den bergigen Wegen am Fuße der Kordilleren nach Herzenslust aus. Guerlain Chicherit lieferte bei km 51 mit 25 Sekunden Vorsprung auf seinen „großen Bruder“ Stéphane Peterhansel die beste Zeit ab.
Carlos Sainz hatte danach Sorgen, die ihm bis jetzt weitgehend erspart geblieben waren: zwei Reifenpannen. Bei Kilometer 148, wo Chicherit noch immer in Führung lag, nahm Al Attiyah anschließend Sainz 5’ ab. Der Abstand sollte sich weiter erhöhen: 5’30 bei km 190 und 5’38 im Ziel. Der schöne Sieg von Guerlain Chicherit geriet dabei fast in Vergessenheit. Der französische Pilot knüpfte mit seinem ersten Sieg nach vier Jahren, damals zwischen Tambacounda und Dakar, an alte Erfolge an. Er setzte sich gegen den Argentinier Orlando Terranova durch, der sich wohl über die Heimkehr in sein Land freute, durch und schenkte damit Mitsubishi und dem Team JMB Stradale das bisher beste Ergebnis bei der diesjährigen Dakar. Stéphane Peterhansel, der lange mit um den Sieg kämpfte, wurde am Ende mit mehr als 2’ Abstand Sechster.
In der Gesamtwertung verkürzte Nasser Al Attiyah seinen Rückstand um die Hälfte auf 4’28. Mit Miller an dritter Position läuft es für Volkswagen wie geschmiert, aber VW-Rallyechef Kris Nissen darf sich mit zwei Fahrern, die in der Gesamtwertung so dicht aufeinander folgen und häufig am Limit sind, weiter den Kopf zerbrechen.
Es ist mittlerweile zur Gewohnheit geworden: Der Kamaz-Clan hat die Kategorie Lkw fest im Griff. Der Rennstall aus Tatarstan holte sich den zehnten Doppelsieg in Folge. Heute wurde die Ehre dem Titelverteidiger Firdaus Kabirov zuteil. Er schlug seinen Teamkollegen Vladimir Chagin, der die Gesamtwertung anführt, um 32’’. Damit feiert Kabirov seinen dritten Tagessieg in diesem Jahr und seinen 32. insgesamt bei der Dakar. Wie auch schon auf den letzten beiden Etappen musste sich der Franzose Joseph Adua im Iveco mit dem dritten Platz begnügen. In der Gesamtwertung beträgt der Vorsprung des Zars 1h12.
http://www.dakar.com/de/DAKAR/2010/live.html
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