PM: Dakar 2010 - Zusammenfassung |  |
Das Leben in Blau
Die zweite südamerikanische Auflage der Dakar ging mit einer Siegesfeier zu Ende, an der alle Fahrer und Teams der 88 Motorräder, 14 Quads, 57 Autos und 28 Trucks teilnahmen.
Bei den Bikern feierte Cyril Despres seinen dritten Erfolg, während sich der Argentinier Marcos Patronelli in der Kategorie Quad durchsetzte.
Bei den Autos sicherte sich Carlos Sainz nach einem spannenden Duell mit Nasser Al Attiyah mit hauchdünnem Vorsprung den Titel.
Für Vladimir Chagin, der bei der Rallye alle Rekorde brach, war das Rennen weniger aufreibend: Mit seinem sechsten Titelgewinn in der Kategorie Trucks zog er mit Karel Loprais gleich.
Alles lief rund… für Despres
Drei Jahre lang musste er sich gedulden. Die Freudentränen im Gesicht von Cyril Despres im Ziel der letzten Wertungsprüfung verdeutlichten den langen Weg, den er zurücklegen musste. Drei lange Jahre voller Enttäuschungen, Frustration und vor allem Training, seit er seinen letzten Sieg am Ufer des Lac Rose in Dakar feierte. Vor einem Jahr schlug sich der Franzose nicht nur mit Reifenproblemen herum, sondern traf mit Marc Coma auf jemanden, der stärker war als er. Aber bei dieser 32. Dakar kehrte sich der Trend um. So motiviert und gut vorbereitet wie nie zuvor und von einem Team umgeben, das voll im Dienste seiner Sache stand, wie sein Wasserträger Ruben Faria, beherrschte Despres die Rallye und seine KTM 690 trotz Luftmengenbegrenzer perfekt. Keine Bravourstückchen, aber eine konstante Leistung, die eines dreifachen Siegers würdig war. So gewinnt man die Dakar. Mit seinem dritten Sieg nach 2005 und 2007 zog Cyril Despres, der sich außerdem noch drei Etappensiege holte, mit seinem früheren, mittlerweile leider verstorbenen Teamkollegen Richard Sainct gleich.
Despres’ erklärter Widersacher Marc Coma wahrte bis zur dritten Etappe, die in der Bruthitze der Dünen von Fiambala ausgetragen wurde, noch den Anschein, zu den Favoriten zu gehören. Wegen Motorüberhitzung verlor er dann aber über 20 Minuten auf den Franzosen. Zwei Wertungsprüfungen später fiel er aufgrund eines Reifenproblems noch weiter zurück. Der Katalane verlor eine weitere halbe Stunde. Hinzu kam noch eine Zeitstrafe von 6h wegen einer unzulässigen Reparatur. Der zweifache Dakar-Sieger, der die Rallye schließlich auf dem 15. Platz mit 6h34 Abstand auf den Sieger beendete, musste sich damit begnügen, mit fünf Tagessiegen die meisten Sonderprüfungen bei der diesjährigen Auflage gewonnen zu haben.
Nachdem sich Comas Hoffnungen zerschlagen hatten, übernahm ein anderer Fahrer mit einer KTM 690cc Despres’ Verfolgung: Pal-Anders Ullevalseter. Das Ziel des Norwegers war eine Platzierung unter den TOP 3. Er hob die Messlatte weiter an und bewies ebenfalls, dass sich Erfahrung und konstante Leistung auszahlen. Als Sahnehäubchen gewann Ullevalseter seine erste Sonderprüfung der Dakar bei seiner achten Teilnahme. Er beendete die Rallye mit 1h02 Abstand auf den Sieger. Francisco Lopez war es bei drei Teilnahmen bisher nie vergönnt gewesen, die Rallye zu beenden. Beim vierten Mal sollte es für den Chilenen endlich klappen. Als Dritter der Gesamtwertung und Sieger von drei Etappen entschied der Chilene die Kategorie 450cc mit seiner Aprilia für sich; für die Marke war es die erste Dakar-Teilnahme. Er schlug den Portugiesen Helder Rodriguez (Yamaha), der die Rallye auf dem vierten Platz der Gesamtwertung abschloss.
Die Dakar 2010 hätte auch der große Moment von David Casteu werden können. An der Spitze eines innovativen, ehrgeizigen Projekts startete der französische Pilot mit einer Sherco 450cc. Und vom ersten Tag an waren sich alle einig. An zweiter Position der Rallye liegend und als ernstzunehmender Anwärter auf den Gesamtsieg, startete er in die fünfte Etappe, als der Mann aus Nizza kurz darauf nach einem schweren Sturz auf der Strecke nach Antofagasta alle Träume begraben musste.
Der Slowake Stefan Svitko, der mit seiner KTM den 13. Rang des Gesamtklassements belegte und die Wertung derjenigen Motorradfahrer gewann, die erstmals an der Dakar teilnehmen, ist ein perfektes Beispiel dafür, dass die osteuropäischen Länder bei der Dakar immer stärker vertreten sind. Dieser Eindruck wurde auch durch den bemerkenswerten 8. Platz des Polen Przygonski verstärkt. Außerdem Hut ab für die kleine, aber zähe Annie Seel, die die Dakar als beste Frau auf Platz 45 abschloss.
Starke Brüder
Nach Marcos Patronellis Sensationserfolg 2009 mit seinem zweiten Platz hinter Josef Machacek hatten die argentinischen Fans hohe Erwartungen an ihr neues Idol. In einem Land, das seit jeher motorsportbesessen ist, trat Marcos Patronelli mit einer großen sportlichen Verantwortung und Last auf seinen Schulter an. Trotz eines äußerst hochkarätigen Starterfels in der Kategorie Quad mit zwei früheren Siegern (Machacek und Gonzalez) nahm er diese Herausforderung Seite an Seite mit seinem älteren Bruder Alejandro an und führte von Anfang bis Ende die Gesamtwertung an – mit Ausnahme des zweiten Tags, an dem sich der Spanier Gonzalez Corominas „Pedrega“ an die Spitze des Rennens schob. Marcos Patronelli, der im Vorbeigehen auch noch vier der insgesamt 14 Etappen gewann, während sein Bruder Alejandro zwei Sonderprüfungen für sich entscheiden konnte, trotzte allen Angriffen und gewann als erster Argentinier die Rallye Dakar. Sein Bruder Alejandro, der seit der 7. Etappe beständig auf dem zweiten Platz der Gesamtwertung lag, leistete seinen Beitrag zum unvergleichlichen Erfolg einer Familie und eines Lands. Die beiden Brüder überließen den anderen Startern lediglich einige Etappensiege, die sich Hubert Deltrieu, Sebastian Halpern mit zwei Siegen, Christophe Declerck mit drei Siegen und schließlich Rafal Sonik in der letzten Sonderprüfung teilten.
Formel Sainz
Vier Jahre nach seinem Einzug in der Welt des Rallye-Raids gelang es Carlos Sainz, die Dakar über die ganze Länge zu zähmen. Der hartnäckige Spanier mobilisierte sein Talent und schaffte es, die Ressourcen seines Touareg voll auszuschöpfen, um sich gegen den Rest des Felds durchzusetzen. Er zeigte vor allem eine Kaltblütigkeit, die ihm in der Vergangenheit gelegentlich gefehlt hatte, insbesondere bei der Auflage 2009, wo ihn ein Abgang von der Piste kurz vor Ende der Rallye den Sieg kostete. In diesem Jahr brillierte der „Matador“ in einem unerbittlichen, brutalen Zweikampf mit Nasser Al Attiyah. Seit der Katarer zum Team Volkswagen gekommen ist, hatte Sainz bereits zweimal – bei der Rally dos Sertoes und bei der Silk Way Rally – angesichts fataler Fehler seines Rivalen das letzte Wort. Es galt noch bei der Dakar unter Beweis zu stellen, dass er der unangefochtene Herrscher dieser Klasse ist. Es sollte ihm gelingen, obwohl sich Al Attiyah, der bis zum letzten Kilometer des Rennens vor Kampfgeist nur so strotzte, nicht den geringsten Fehler leistete, den Sainz für sich hätte nutzen könnten.
Ab der fünften Etappe übernahm Carlos Sainz zwar das Kommando in der Gesamtwertung, aber sein Vorsprung auf den „Verrückten am Steuer“, der keine Gelegenheit ungenutzt ließ, sich um Sekunden oder Minuten heranzuarbeiten, schwand zunehmend. Am Ende der letzten Wertungsprüfung betrug der Abstand zwischen den beiden Rivalen nur noch 2’12’’. Sainz sicherte sich den am härtesten erkämpften Sieg in der Geschichte der Rallye. Ingesamt darf man die Auflage 2010 als Höhepunkt für Volkswagen werten. Neben dem spektakulären Duell zwischen Sainz und Al Attiyah belegte die deutsche Marke mit einem weiteren Race Touareg mit Marc Miller am Steuer auch den dritten Platz der Gesamtwertung. Seit dem Beutezug der Mitsubishi 2003 mit dem siegreichen Vierergespann Masuoka-Fontenay-Peterhansel-Sousa hat es dies bei der Dakar nicht mehr gegeben.
Auch wenn sich der Titelkampf in diesem Jahr schon bald auf den Schlagabtausch zwischen den Piloten aus dem Hause Volkswagen beschränkte, versprechen die Leistungen der BMW X-3 zukünftig handfeste Duelle. Die Stunden, die Stéphane Peterhansel auf der 5. Etappe verlor, hielten ihn anschließend nicht davon ab, sein Potenzial zu zeigen: Mit vier gewonnenen Etappen in diesem Jahr platzierte sich der Neueinsteiger bei X-Raid auf dem vierten Rang der Gesamtwertung. Das Team konnte sich auch über die Gesamtleistung von Guerlain Chicherit freuen, der mit einem Etappensieg auf den fünften Platz des Klassements fuhr. In diesem Gelände boten die X3 den Volkswagen übrigens kontra, denn zählt man Romas Etappensieg vor seiner Aufgabe hinzu, verbuchten die Piloten von BMW sechs Tagessiege für sich, gegenüber sieben für die „Blauen“. Um den Kreis der Widersacher von VW etwas zu erweitern, sollte man künftig auch mit dem Team JMB Stradale rechnen: Alle fünf überarbeiteten Mitsubishi Lancer kamen ins Ziel, wo drei von ihnen unter den TOP 10 landeten. Carlos Sousa, der zusammen mit Mathieu Baumel, dem früheren Partner von Chicherit, unter den Mitsubishis am besten abschneidet, platziert sich an 6. Stelle.
Etwas tiefer im Klassement wurde ein weiterer Titel vergeben, nämlich in der Kategorie „Production“ für Fahrzeuge aus Serienproduktion. Der Japaner Jun Mitsuhashi, der sich bereits 2007 hervortat, war in diesem Jahr in Argentinien und Chile noch besser unterwegs. Sein Toyota belegte den 17. Platz der Gesamtwertung mit über 17 Stunden Abstand auf Carlos Sainz, aber fast 7 Stunden Vorsprung auf seinen nächsten Verfolger Xavier Foj.
Unter den Neueinsteigern war die Familie Basso, Vater und Sohn, mit einem 37. Platz in der Gesamtwertung das stärkste Team. Bei den solo antretenden Fahrern führte Tim Coronel mit seinem Buggy McRae die Kategorie vor dem Argentinier Jorge Murano an.
Die Kamaz von Anfang bis Ende
Man weiß nicht, ob Vladimir Chagin auf Rekordjagd war, aber mit seiner konstanten und überlegenen Leistung fand sich der russische Pilot bei der Dakar an der Spitze der Statistik wieder. Mit neun Siegen auf den 14 Etappen der diesjährigen Auflage erhöhte er die Anzahl seiner Dakar-Erfolge auf 56, d.h. den absoluten Rekord, und zog an Stéphane Peterhansel mit seinen 55 Siegen vorbei. Der „Zar“ Chagin übernahm schon in der ersten Wertungsprüfung das Kommando im Gesamtklassement und gab die Position des Führenden danach nicht mehr ab. In San Carlos de Bolivar schenkte er der Marke mit dem blauen Pferd im Ziel der letzten Wertungsprüfung deren neunten Gesamtsieg und zog mit seinem sechsten Titelgewinn mit Karel Loprais gleich. Die Dominanz des Rennstalls aus Tatarstan war mit vier weiteren Etappensiegen für Kabirov und schließlich für Mardeev in der letzten Wertungsprüfung allgegenwärtig. Der Überlegenheit der blauen Trucks hatten die anderen Anwärter auf den Titel nichts entgegenzuhalten. Ales Loprais im Tatra strich nach einem Unfall bereits auf der zweiten Etappe die Siegel, nachdem er sich zuvor als stärkster Widersacher des Russen präsentiert hatte. Der Brasilianer André de Azevedo, der zu Beginn ein gutes Tempo vorlegte, verlor am 5. Tag mit massiven Motorproblemen jegliche Chance auf einen Zweikampf. Der Weg war frei für die Kamaz, die dank des zweiten Platzes des Titelverteidigers Firdaus Kabirov die Rallye mit einem Doppelsieg beendeten. In Nebengefechten trat mit Joseph Adua ein französischer Pilot in Erscheinung, der bei einer Etappe unter die TOP 3 fuhr. Marcel Van Vliet holt sich im Ginaf einen verdienten dritten Platz in der Gesamtwertung mit über 10 Stunden Abstand auf Chagin, während der unverwüstliche Sugawara am Ende Siebter wurde. Mit den Katalanen Oliveras und Juvanteny platzieren sich zwei weitere historische Teilnehmer unter den TOP 10.
http://www.dakar.com/de/DAKAR/2010/live.html
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